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Menschen

Maya Angelou – Tausendsassarin mit Kampfgeist

Am 4. April wäre die US-Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou 90 Jahre alt geworden.  Maya Angelou pflegte Kontakt zu Malcom X und Martin Luther King und wurde zum Sprachrohr der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Weltweite Anerkennung erhielt sie 1993 durch ihr Gedicht zu Bill Clintons Amtseinführung. Die Michigan State University verlieh ihr 2005 die Ehrendoktorwürde. 2011 wurde sie mit der höchsten zivilen Auszeichnung der USA, der Presidential Medal of Freedom, geehrt.

Maya Angelou Clinton Poem
1993: Zur Amtseinführung von Bill Clinton als Präsident der USA trägt Maya Angelou das Gedicht “On the Pulse of Morning” vor. Foto: Wikimedia Commons (CC0)

 

Maya Angelou Obama Medal of Freedom
2011: Barack Obama verleiht Maya Angelou die Presidential Medal of Freedom. Foto: Wikimedia Commons, whitehouse.org, (CC0)

Google Doodle zu Ehren Maya Angelous

Google widmet Maya Angelou zu Ehren an ihrem Todestag ein Google Doodle und lässt sie selbst zu Wort kommen. In dem Doodle trägt die Schriftstellerin ihr Gedicht „Still I Rise“ zunächst selbst vor. Im Verlauf wird sie von berühmten Persönlichkeiten, die sie maßgeblich inspiriert haben sollen, abgelöst.

Eine Frau mit vielen Talenten

Es ist nicht einfach, der Darstellung dieser außergewöhnlichen und facettenreichen Frau eine Kontur zu geben. Denn Maya Angelou durchläuft in ihrem Leben beeindruckend viele Stationen, sie führt ein abenteuerliches Leben und ist ein beruflicher Tausendsassa.

Maya Angelou studiert Tanz und Theater und tritt in verschiedenen berühmten Theaterstücken auf. Sie ist die erste schwarze Dirigentin des San Francisco Orchestras. Die Amerikanerin lebt in Ägypten und Ghana und ist dort als Redakteurin und Journalistin tätig. Sie verfasst mehrere Theaterstücke und Filmdrehbücher, setzt sich aktiv für Menschenrechte ein, veröffentlicht sieben Biografien und lehrt an der Universität.

Foto: Erika Feliciano via Flickr (CC By 2.0)

In Interviews besticht Maya Angelou durch ihr herzliches Lachen, ihren Witz und ihre klare, stets höfliche und durchdringende Stimme. Man merkt ihr ihre literarische Gewandtheit an, jedes Wort wirkt wie gesprochenen Poesie. Ihre Lebensweisheiten verbreiten sich viral im Internet:

 

Ich möchte zwei Episoden aus Maya Angelous Leben aufgreifen, die mich nachhaltig beeindruckt haben, die von Maya Angelous Kampfgeist zeugen und ihr Naturell darlegen.

Maya Angelou war fünf Jahre stumm

Im Alter von sieben Jahren wird Maya Angelou von einem Bekannten ihrer Mutter vergewaltigt. Der Mann kommt nach nur einem Tag Gefängnis auf Kaution frei und wird am nächsten Tag erschlagen aufgefunden. Mit der Logik einer Siebenjährigen denkt Maya Angelou, sie habe ihn durch die bloße Nennung des Namens getötet („The power of my words led to someone’s death“) und sie verstummt daraufhin für fünf Jahre.

In dieser Zeit liest Maya Angelou jedes Buch aus den ansässigen Stadtbibliotheken, dass ihr in die Finger kommt. Sie inhaliert die Bücher geradezu. Shakespeare und Poe werden zu Gefährten, in ihrem zum Selbstschutz erschaffenen Subuniversum. Die Literatur hilft ihr zurück ins Leben:

„When I decided to speak I had a lot of things to say and many ways how to say it.

Maya Angelou wird durch das schreckliche Ereignis in jungen Jahren nicht gebrochen, ihr Kampfgeist wird geboren. In einem späteren Interview sagt sie:

„There is a place in you, that you must keep inviolate, you must keep it clean, so that nobody has the right to change you, to treat you bad.”

Diesen Ort hat sie sich durch die Literatur geschaffen.

Maya Angelou war die erste weibliche schwarze Straßenbahnschaffnerin

Dass Maya Angelou die erste weibliche schwarze Straßenbahnschaffnerin war, ist relativ bekannt. Nicht so bekannt ist die beeindruckende Geschichte, wie sie die Anstellung bekam. Eine Lektion in Sachen Beharrlichkeit:

Maya erzählt ihrer Mutter von dem Wunsch Straßenbahnschaffnerin zu werden, die sie motiviert sich zu bewerben. Deprimiert kommt Maya nach Hause zurück und teilt ihrer Mutter mit, dass sie sich aufgrund ihrer Hautfarbe nicht bewerben darf. Ihre Mutter fragt: „Möchtest du den Job?“ Maya antwortet: „Ja“ und ihre Mutter erwidert: „Dann geh und hol ihn dir!“

Mayas Mutter gibt ihr Geld und instruiert sie, jeden Tag vor den Sekretärinnen im Büro der Straßenbahn Verwaltung zu sitzen. Mittags in ein gutes Restaurant zu gehen, vor den Sekretärinnen wieder zurück im Büro zu sein und dort zu sitzen, bis sie nach Hause gehen.

Maya befolgt die Anweisungen ihrer Mutter, sitzt für zwei Wochen jeden Tag in der Verwaltung und lässt böse Blicke und rassistischen Anfeindungen über sich ergehen. Hauptmotivation ist, dass sie Angst hat, sich vor ihrer Mutter die Blöße zu geben, nicht die starke und mutige Person zu sein, für die ihre Mutter sie hält. Nach zwei Wochen kommt ein Angestellter und nimmt Maya Angelou mit in sein Büro. Er fragt sie, warum sie den Job haben möchte. Maya antwortet knapp und ehrlich: „Weil ich die Uniformen mag.“ Sie bekommt den Job.

“If you’re always trying to be normal, you will never know how amazing you can be.”

 Maya Angelou war alles andere als normal, sie war eine mutige, couragierte Frau, die sowohl mit ihren Reizen kokettierte, als auch Grenzen absteckte. Maya Angelou hat sich kontinuierlich weiterentwickelt, unbeirrt jede ihrer Interessen ausgebaut und beharrlich verfolgt. Jede Tätigkeit, jede Station in ihrem Leben ist ein Mosaikstein, zusammen ergeben sie das Bild einer phänomenalen Frau: Maya Angelou.

 

“I would like to be known as an intelligent woman, a courageous woman, a loving woman, a woman who teaches by being.”

Es gäbe noch so viel mehr zu sagen über Maya Angelou. In dem Nachruf der Wake Universität, an der sie gelehrt hat, heißt es:

“Dr. Angelou was a national treasure whose life and teachings inspired millions around the world […]”

Und genauso wird Sie in Erinnerung bleiben: als mutige, inspirierende Frau mit einem herzlichen Lachen und einer Aura, die jeden in ihren Bann zieht.

Beitragsfoto: Adria Richards via Flickr (CC0)

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