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Social Detox ODER: Warum Du jetzt zu mir auf die Insel kommen solltest

Ich lebe auf einer Insel. Manchmal fühle ich mich etwas abgeschnitten von der Welt, von meinen Freunden. Aber alles wirklich Wichtige erreicht mich. Ich höre es oder bringe es in Erfahrung. Und mit meinen echten Freunden, die mir nahestehen, habe ich immer engen Kontakt.

Ich lebe ohne Social Networks. Na gut, manchmal erlaube ich mir einen kleinen Ausflug. Weg von meiner Insel stürze ich mich ins Informations-, Likes- und Posting-Meer. Oder besser, ich halte einen Zeh hinein. In meinen statuslosen und mit zwei Fotos gepflegten Facebook-Account, den ich das letzte Mal vor über einem halben Jahr aufgerufen habe.

Keine Flucht mehr vor dem eigenen Leben

Immer öfter besuchen mich andere auf meiner Insel. Sie sind überflutet von Informationen, Banalitäten und Meinungen, die sie eigentlich nicht interessieren. Sie wollen sich nicht mehr von ihrem Leben ablenken lassen. Und den tagesbestimmenden Drang abstreifen, etwas Tolles erleben, essen oder zitieren zu müssen, um auf den nächsten Post möglichst viele Likes und Herzen zu erhalten.

Die vielen Minuten und Stunden, die sie am Tag gewinnen, nutzen sie, um etwas Neues zu lernen. Oder um ihr altes Hobby wieder aufleben zu lassen. Um sich selbst, der Familie und Freunden oder Meditation Zeit zu widmen. Oder ein gutes Buch zu lesen.

Warum Social Detox?

Zugegeben, die ersten Tage Social Detox sind meist schwer und gehen einher mit nervösem Fingerzucken und Schielen auf den Bildschirm. Die Social Media Blase hat Spuren hinterlassen: Was verpasse ich? Doch recht schnell stellt sich Erleichterung ein. Keine Abhängigkeit von digitaler Anerkennung, keine Belastung durch zu viele negative Nachrichten aus der Welt, die auf einmal auf Körper und Geist einstürzen. Kein Zwang, seine Meinung zu äußern, up to date zu sein, um dazu zu gehören, kein Neid auf augenscheinlich perfekte Leben und Körper. Was Du jetzt definitiv nicht mehr verpasst: Dein Leben.

Ok, auch meine Freunde schauen mich manchmal an, als wäre ich eine Außerirdische. Ich kriege den „neuesten“ Gossip, das „lustigste“ Video oder die „beste“ Veranstaltung erst deutlich später mit. Manchmal gar nicht. Aber das sehe ich nicht als das an, was mein Leben wirklich lebenswert macht. Und mal ehrlich, hättest DU eine Außerirdische schnell satt? Oder ist sie nicht viel interessanter als das nächste filterbearbeitete Foodporn-Foto in Deiner Insta-Timeline?

Gut, ich verstehe, wenn Du nicht auf der Insel leben möchtest. Aber für einen Urlaub, zum Entspannen ist sie super.

Wirklich. Es ist schön hier!

Beitragsfoto: Roman Pohorecki via pexels (CC0 1.0)

 

 

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