Journal XX
Emma Watson
Menschen

Emma Watson – moderne Feministin einer ganzen Generation

Braune Augen, buschiges Haar, altklug und etwas zu ehrgeizig. So haben wir Hermine Granger, die Rolle, die Emma Watson weltberühmt gemacht hat, kennen gelernt. In der achtteiligen Filmreihe der Harry Potter Bücher, deren Dreh sich über zehn Jahre zog, haben wir nicht nur die Entwicklung von Watsons Alter Ego mitverfolgt. Auch sie selbst ist erwachsen geworden.

Der letzte Teil der Harry Potter Saga liegt nun schon sieben Jahre zurück. Mit Watsons Gesicht verbinden wir noch immer die liebenswürdige Streberin aus der Zauberwelt. Doch heute steht die Britin insbesondere für eine weitere Sache: Feminismus. Ein unpopulär gewordenes Wort, wie die 28-Jährige selbst findet. Sie kämpft dafür, den Fokus wieder auf die Bedeutung dahinter zu setzen.

Gelebter Feminismus betrifft beide Geschlechter

Dabei zeigt die 2014 zur UN-Sonderbotschafterin für Frauenrechte ernannte Brown-Absolventin selbst am besten, was es bedeutet, eine moderne Feministin zu sein. Watson möchte ein selbstbestimmtes Leben führen. Nach den Harry Potter Filmen versucht sie sich zu finden. Sie experimentiert mit Mode und Haarschnitten. Sie ist Gesicht von Modemarken wie Burberry und Chanel und entwirft in Zusammenarbeit mit dem Fairtrade Mode-Label People Tree eine Kollektion. Sie möchte ein „normales“ Leben führen und genießt ihr Studium der englischen Literatur an der renommierten Brown University. Dies unterbricht sie lediglich für Rollen, die ihr wirklich zusagen. Lukrative Angebote, wie die Rolle der Cinderella in der Real-Verfilmung von Disney, lehnt sie ab.

Emma Watson versucht immer sie selbst zu sein. „Die beste Version“ von sich. Bei Auftritten und Reden verleiht sie den wichtigen Dingen mit ihren Worten und ihrer ruhigen und authentischen Art Nachdruck. Sie erzählt kleine Anekdoten aus ihrem Leben und bei Themen, die ihr wirklich wichtig sind, zittert ihre Stimme. Sie ist keine laute Aktivistin. Aber Aktivistin aus Leidenschaft. Mit 18 Jahren habe sie sich entschieden Feministin zu sein. Daran zu glauben, dass Männer und Frauen die gleichen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Rechte und Möglichkeiten haben. Und das geht nicht einher mit Männerhass, wie viele mit dem Wort assoziieren. Im Gegenteil. Immer wieder betont sie, dass es um die Gleichberechtigung beider Geschlechter geht. Dass Männer und Frauen die Wahl haben dürfen, ihre starke und ihre weiche Seite zu zeigen. Dass alle Menschen sein dürfen wie sie sind und dafür geschätzt werden wer sie sind. Dass Jungen und Mädchen die gleichen Möglichkeiten haben. Und das sei ein Menschenrecht.

Emma Watson begegnet Gerüchten und Kritik
mit Humor und Schlagfertigkeit

2014 führt Emma Watson gemeinsam mit UN Women die Kampagne HeForShe ein, die Jungen und Männer dafür gewinnen möchte, sich für Gleichberechtigung zu interessieren und einzusetzen. Doch ihr Engagement trifft immer wieder auf Kritik, auch aus den eigenen Reihen. Einige halten sie für die Rolle der Gleichstellungsbeauftragten zu niedlich. Für andere ist sie zu privilegiert. Doch trotz ihres Erfolges als Schauspielerin zeigt Watson keine Star-Allüren oder protzigen Bilder auf ihren Social-Media-Kanälen. Sie wirkt wie das nette schlaue Mädchen von nebenan. Und auch ohne uns viel aus ihrem privaten Leben zu präsentieren, scheint sie nahbar. Bei wilden Spekulationen begegnet sie der Öffentlichkeit mit Humor und einem Augenzwinkern. Wie den Gerüchten im Jahr 2015, sie sei mit Prinz Harry zusammen.


Erst 2017 werden wieder Anfeindungen laut, sie sei eine Heuchlerin und keine Feministin. Der Grund: Für die Vanity Fair ließ sie sich mit einem Häkel-Bolero ohne etwas darunter ablichten. Doch Watson steht zu ihren Entscheidungen und Handlungen und erklärt allen noch mal worum es wirklich geht. Und das sehr deutlich: “Im Feminismus geht es darum, Frauen eine Wahl zu geben. Feminismus ist kein Stock, mit dem man andere Frauen schlagen kann. Es geht um Freiheit, um Befreiung, um Gleichberechtigung. Ich weiß wirklich nicht, was meine Titten damit zu tun haben.”

Feministin gegen jeden Widerstand – um mit uns die Welt zu retten

Emma Watson gründet 2016 den feministischen Online Buchclub Our Shared Shelf. Heute zählt der Buchclub über 200.000 Mitglieder. Sie unterstützt die #TimesUp Bewegung und spendet einer Schwesterbewegung in Großbritannien Anfang 2018 über eine Million Euro. Sie lebt ihre Ideologie. Gegen jeden Widerstand. Und nutzt ihre Popularität, um eine gesamte Generation, die mit ihr und ihren Filmen groß geworden ist, mitzunehmen und die Welt zu verändern.

 

Beitragsfoto: Emma Watson bei den Cannes Film Festspielen 2013,
Georges Biard über commons.wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)

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