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Ernährung & Gesundheit International

Zuckerbrot und Peitsche – Ein Kommentar zur Zuckersteuer auf Getränke

Am 6. April trat in Großbritannien die sogenannte Zuckersteuer in Kraft: Unternehmen müssen seitdem für stark gezuckerte Getränke eine Abgabe zahlen. Die Regierung will damit der Volkskrankheit Fettleibigkeit den Kampf ansagen.

Fettleibigkeit, ein globales Problem!

Die Zahlen sind alarmierend: In Großbritannien ist mehr als die Hälfte der Erwachsenen übergewichtig, bei Kindern zwischen zwei und fünfzehn Jahren bewegt sich der Anteil bei zwei Drittel, mit steigender Tendenz. In Deutschland und weltweit sieht die Lage nicht anders aus, so dass die WHO sogar eine weltweite Zuckersteuer fordert.

Böse formuliert könnte man sagen: Geld ist die Sprache, die auch dumme Menschen sprechen. Tatsächlich konsumieren Menschen mit niedrigen Bildungsstand mehr zuckerhaltige Produkte und leiden häufiger an den gesundheitlichen Folgen. Die Zuckersteuer scheint also ein probates Mittel, den Zuckerkonsum der Menschen einzudämmen.

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Foto: Sarah Takforyen via unsplash (CC0)

Funktioniert eine Zuckersteuer?

Aber lassen sich die Menschen von erhöhten Preisen wirklich abschrecken? Befürworter verweisen auf den Erfolg der Zuckersteuer in Frankreich und Mexiko, wo die Absatzzahlen der besteuerten Getränke stark gesunken seien. Ob die Menschen sich allerdings grundsätzlich gesünder ernähren steht nicht fest und da liegt auch die Wurzel des Übels.

Die Zuckersteuer ist für mich ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das Problem muss allumfassend und systematischer angegangen werden. Sich ein spezifisches Lebensmittel rauszupicken und zu besteuern, halte ich für das falsche Mittel und für zu kurz gedacht.

Versteckter Zucker

Dass sich in Softdrinks, Süßigkeiten und Süßspeisen viel Zucker befindet ist den meisten Menschen klar. Die größere Gefahr stellen aber die sogenannten versteckten Zucker dar. Cerealien, Ketchup, Fruchtjoghurts, Säfte und viele weitere Lebensmittel enthalten überproportional viel Zucker und das ist den meisten Menschen gar nicht bewusst.

Was bringt es also, zuckerhaltige Getränke zu besteuern, wenn Menschen dasselbe ungesunde Pensum –  schlichtweg aus Unwissenheit – über andere Produkte aufnehmen?

Zuckersteuer Kommentar
Foto via Gratisography (CC0)

Verantwortung der Unternehmen

Die Steuer soll dafür sorgen, dass Unternehmen aus Eigenverantwortung den Zuckergehalt in den Getränken senken, was teilweise auch geschehen ist. Die Tendenz geht aber eher dahin, dass Firmen Hintertürchen und Lücken im System suchen: So wird Zucker fröhlich durch Süßstoff ersetzt. Fantastisch, man stirbt dann nicht an Fettleibigkeit, sondern an Krebs! Eine andere Variante: Flaschengrößen werden einfach verkleinert, Mogelpackung ahoi.

Aufklärung statt Verbote

Die Zuckersteuer bekämpft Symptome, aber nicht deren Ursachen. Das Problem muss differenzierter betrachtet und globaler gelöst werden. Aufklärung statt Bevormundung sollte die Maxime sein, rigide Verbote schießen am Ziel vorbei.

Ich halte die Zuckersteuer nicht für grundsätzlich falsch, aber sie sollte Teil einer Gesamtstrategie sein. Diese könnte zum Beispiel so aussehen:

  • transparente Nährwerttabellen
  • gesunde Lebensmittel von der Mehrwertsteuer befreien
  • Ernährungsbildung
  • Sensibilisierung was konsumiert wird
  • Kochunterricht in Schulen.

Fettleibigkeit hat viele und zum Teil unterschiedliche Ursachen und sollte komplexer gedacht werden. Bewegungsmangel und zunehmend sitzenden Tätigkeiten, spielen ebenfalls eine tragende Rolle. Ein derart komplexes Problem lässt sich nicht durch ein paar Cent mehr auf zuckerhaltige Getränke ausmerzen, das wird viele Menschen nicht abschrecken.

Und was ist mit allen anderen ungesunden Lebensmittelgruppen? Fast Food steht ebenfalls auf dem täglichen Speiseplan vieler Menschen und ist mindestens genauso gesundheitsschädlich wie zuckerhaltige Getränke. Erwartet uns dann als nächstes die Fast Food Steuer?

 

Beitragsfoto: pixabay (CC0)

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