Journal XX
Anerkennung im Beruf
Karriere

„Man sieht Ihnen Ihr Alter gar nicht an!“ – Wie du im Beruf die Anerkennung bekommst, die du verdienst

Ich werde immer jünger geschätzt. In der Regel um zehn bis zwölf Jahre.

„Nehmen Sie es als Kompliment“, hörte ich oft von Supermarktkassiererinnen, die mir vor den Augen der Kundschaft keinen Wein verkaufen wollten und zwei Kunden nach mir einen bärtigen Sechzehnjährigen mit Wodka-Flaschen durchmarschieren ließen.

Seit meinem 30. Geburtstag scheine ich die optischen Volljährigkeitskriterien zu erfüllen und werde beim Alkohol kaufen nicht mehr nach meinem Ausweis gefragt. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Wären da nicht die zahllosen anderen Situationen, in denen ich mich aufgrund meines Alters benachteiligt fühle.

Tatsächlich wirkt Altersdiskriminierung in beide Richtungen, auch wenn die meisten den Begriff mit der Diskriminierung älterer Menschen verbinden.

Als ich nach dem Studium meine erste Stelle antrat, hatte ich laut Vertrag scheinbar alles: Ein gutes Gehalt, flexible Bürozeiten, Führungsverantwortung und großen Gestaltungsspielraum bei der Arbeit. Ich wurde zeitgleich mit meiner dreizehn Jahre älteren Kollegin eingestellt, deren Vertrag die gleichen Konditionen beinhaltete und mit der ich gemeinsam das Team leiten würde.

In der Praxis hatte ich es schwer. Meine Kollegin, die ihren Altersvorsprung mit Kompetenzvorsprung gleichsetzte, ließ mich im Job gerne „kleiner“ aussehen als ich war. Die ersten Jahre waren ein Alptraum. Meine Kollegin war eifrig damit beschäftigt, meine Vorschläge zu ignorieren, mich bei Abstimmungen zu übergehen, meine Fehler hervorzuheben und meine Erfolge zu übersehen.

Im Laufe der Zeit habe ich mir jedoch Respekt erarbeitet. Professionalität und harte Arbeit waren ausschlaggebend für meinen nachhaltigen Erfolg. Da Leistung allein oft nicht ausreicht, um einen kompetenten Eindruck auf andere zu machen, habe ich hier fünf Tipps, mit denen du deiner beruflichen Anerkennung auf die Sprünge helfen kannst.

 

1. Dein Look: Bleib dir treu und setze Akzente

junges Aussehen im Job
Foto: Isaiah McClean via: Unsplash

„Don‘t judge a book by its cover“ ist eine Redensart, die gerne zitiert und leider so gut wie nie in die Tat umgesetzt wird. Wir beurteilen einander nach dem Äußeren. Wenn du im Beruf ernst genommen werden möchtest, musst du dich nicht zwangsläufig verkleiden. Es genügt, wenn du einen jugendlichen Look mit erwachsenen Elementen kombinierst, indem du zum Beispiel Jeans und T-Shirt mit einem Blazer aufwertest. Verzichte bei deinem Business-Outfit auf Details, die dich mädchenhaft wirken lassen, wie Blumenmuster, Rüschen und Schleifen. Greife stattdessen zu klaren Farben und grafischen Mustern. Bei den Schuhen gilt: Weniger ist mehr. Absätze sind gut, aber nur so hoch, dass du sicher darin laufen kannst.

2. Bauch rein, Brust raus: Wie deine Körperhaltung deinen Erfolg beeinflusst

selbstbewusstes Auftreten
Foto: Henry Washington (CC0)

Ein sicherer Stand ist wichtig. Neben den richtigen Schuhen, geht es auch um eine selbstsichere Einstellung. Falls du nicht selbstbewusst bist, ist das überhaupt kein Problem! Denn nach Ansicht der amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy können wir Selbstbewusstsein auch „erlernen“, indem wir so genannte Macht-Posen einnehmen. Wer sich eine selbstbewusste Körperhaltung aneignet, werde laut Cuddy selbstsicherer und erfolgreicher im Beruf.

3. Find Your Voice: Bei Stress den richtigen Ton treffen

Bauchatmung
Foto: Carol Oliver via: Unsplash

Bei Druck und Anspannung sprechen wir schneller und in einer höheren Stimmlage. Das kann auf unser Gegenüber unsicher und inkompetent wirken. In solch einer Situation empfiehlt sich: Ruhe bewahren und aus dem Bauch heraus atmen.

4. Mind Hack: Nutze deine Jugendlichkeit zu deinem Vorteil

jung Anerkennung
Foto: Jan Vašek (CC0)

Wer sagt eigentlich, dass ein Altersvorsprung mit einem Kompetenzvorsprung einhergeht? Wir können alle voneinander lernen und uns gegenseitig ergänzen. Mache dir eine Liste deiner „jugendlichen“ Eigenschaften, über die deine älteren Kollegen nicht verfügen, aber von denen dein Arbeitsumfeld profitieren kann.

5. Soul Hack: Widerstehe dem Drang dich zu rechtfertigen und betone deine Erfolge

Entschuldigung im Job
Foto: Henrikke Due via: Unsplash

Hast du manchmal das Gefühl, dass du dich zu häufig oder zu detailliert für deine Fehler auf der Arbeit entschuldigst? Hast du das Gefühl, dass andere das nicht tun? Der Grat zwischen gesunder Kritikfähigkeit und gefährlicher Selbstsabotage ist schmal. Während das Eingestehen von Fehlern ein Zeichen von Reife und Verantwortung ist, sinkt dein professionelles Ansehen mit jeder ausgedehnten Entschuldigung ein bisschen mehr. Besonders schlimm wird es, wenn du zusätzlich deine Erfolge unter den Tisch kehrst. In der Wahrnehmung der anderen bist du dann diejenige, die ständig Fehler macht und keine eigenen Beiträge leistet – auch wenn in der Realität das Gegenteil der Fall ist. Daher unbedingt die eigenen Erfolge wiederholt betonen und begangene Fehler knapp und sachlich begründen, ohne in die Rechtfertigungsfalle zu tappen.

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Beitragsfoto: Dana Tentis (CC0)

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