Journal XX
Ernährung & Gesundheit Ratgeber

Herzhafte Comfort-Snacks treffen auf ihre veganen Zwillinge:
Lohnt sich ein Umstieg auf Reiswaffel-Mettwurst und Co.?

Ich liebe deftiges Essen. Seit Kindheitstagen gibt es Wurstbelag auf die Frühstücksschnitte und sonntags Braten; das Gemüse stets als zerkochte Beilage – für das gute Gewissen.

So oder so ähnlich sah es noch bis vor Kurzem bei mir aus.

Heute würde ich mich als „Dreiviertel-Vegetarierin“ bezeichnen, die gerne auch mal vegan kocht. An guten Tagen betrachte ich voller Stolz meinen Einkaufswagen mit unverarbeiteten Lebensmitteln. Dabei widerstehe ich dem Impuls, einen Fotobeweis von meiner gesunden Lebensweise bei Facebook hochzuladen. An schlechten Tagen halte ich auf dem Rückweg vom Supermarkt noch kurz beim Schnellimbiss an, um mich mit einem Döner zu stärken. Erst dann geht es weiter zum Gemüseschälen, -schneiden und -dampfgaren.

Heißhunger auf Herzhaftes kennt jeder, der sich dazu entscheidet seine Ernährung umzustellen. Essen frisch zuzubereiten erfordert Zeit und nicht immer ist ein gesunder Snack zur Hand.

Oft überkommt einen aber auch die Lust auf Gewohntes – auf Essen, das man bereits aus der Kindheit kennt und das man nicht mehr guten Gewissens verzehren kann oder möchte. Wer beim Kochen tierische Produkte teilweise oder ganz von der Einkaufsliste streichen will, muss aber nicht auf geliebtes Comfort Food verzichten!

Ich habe drei herzhafte Klassiker der deutschen Küche in ihrer jeweils veganen Variante ausprobiert und sie mit ihren Zwillingen aus „Fleisch und Ei“ verglichen. Ob sich ein Umstieg lohnt, verrate ich hier.

Ein Hinweis vorab: Ich habe alle veganen Lebensmittel frisch zubereitet. Eine pauschale Aussage darüber, welche Variante gesünder (oder ungesünder) ist, möchte ich an dieser Stelle nicht treffen. Grundsätzlich gilt: Fertigprodukte – egal ob pflanzlich oder nicht – sind häufig stark verarbeitet, damit sie die hohen Anforderungen an Haltbarkeit und Geschmack erfüllen. Wer Essen frisch zubereitet, isst gesünder und weiß außerdem was drin ist.

Leberwurst: Muskelfleisch meets Räuchertofu

Was ist drin?

Die Wurstmasse der klassischen Leberwurst besteht aus Schlachterzeugnissen von Hausschwein, Rind, Kalb und Geflügel. Bei dem verarbeiteten Fleisch handelt es sich in der Regel um Muskelfleisch, oft angereichert um Fettgewebe, Innereien und andere Fleischteile. Der Leberanteil beträgt bis zu 40 Prozent.

Die Grundzutaten für vegane Leberwurst sind übersichtlich: Kidneybohnen, Räuchertofu und Zwiebeln. Abgeschmeckt wird die Grundmasse mit Majoran, Salz und Pfeffer.

Wo gibt es das?

Die Auswahl an klassischer Leberwurst ist groß. Es gibt sie grob oder fein, im Naturdarm oder im Glas, vom Bio-Bauern oder vom Discounter. Die günstigste Wurst gibt es schon ab € 1,49.

Im Kühlschrank ist sie nach Anbruch bis zu zehn Tage haltbar. Selbst zubereiten lässt sich Leberwurst allerdings nur von dem, der selbst schlachtet und über die geeignete Metzgereitechnik verfügt, um die Wurstmasse herzustellen.

Vegane Wurstaufstriche gibt es in Reformhäusern und Bioläden, aber auch in einigen herkömmlichen Supermärkten. Das günstigste Fertigprodukt kostet € 1,99. Vegane Leberwurst lässt sich mit einem Mixer einfach selbst zubereiten. Die wenigen Grundzutaten sind schnell besorgt und nicht teuer. Im Kühlschrank ist sie bis zu sieben Tage haltbar.

Was ist besser?

Wer „normale“ Leberwurst mag, wird ihren veganen Zwilling lieben! Sowohl in Geschmack als auch in Konsistenz ist sie herkömmlicher Leberwurst zum Verwechseln ähnlich. Ich habe meine Tofu-Kidneybohnen-Leberwurst nach folgendem Rezept zubereitet: http://bit.ly/2oZVT9y

Klassische Leberwurst findet man fast überall und zudem ist die Auswahl riesig. Hier kann ihr veganer Zwilling nicht mithalten. Der große Vorteil gegenüber der Leberwurst aus Fleisch: Pflanzliche „Wurstmasse“ lässt sich frisch zubereiten. Ein Bonus für die Gesundheit!

Verarbeitete Leberwurst (Link oder Infobox) – sowohl tierisch als auch vegan – enthält zu viel Fett und Salz. Wer es gesund und lecker mag und ein wenig Aufwand nicht scheut, sollte auf jeden Fall auf vegane Leberwurst umsteigen!

Rührei: Natur pur gegen Tofu Dreierlei

Was ist drin?

Das klassische Rührei besteht aus verquirlten und gesalzenen Eiern, die in einer Pfanne gegart werden.

Veganes Rührei kann mit variierenden Zutaten in der Pfanne zubereitet werden. Die Basiszutat ist in jedem Falle Naturtofu. Pflanzliches Rührei wird unter Zugabe von Kurkuma gelb gefärbt und erhält damit die charakteristische „Rührei-Farbe“ (das Auge isst schließlich mit).

Wo gibt es das?

Eier gibt es in jedem Supermarkt, beim (Bio-)Bauern oder auf dem Wochenmarkt. Wer zuhause genügend Platz hat und über Kenntnisse in der Hühnerhaltung verfügt, kann Legehennen sogar im heimischen Garten halten.

Die Zutaten für veganes Rührei finden sich in jedem gut sortierten Supermarkt mit einem größeren Tofu-Sortiment. Sollte man dort nicht fündig werden, empfiehlt sich der Gang zum Reformhaus oder zum Biosupermarkt.

Ich habe mein veganes Rührei mit Räuchertofu-Speck nach folgendem Rezept zubereitet: http://bit.ly/ruehrei-vegan

Was ist besser?

Die Zubereitung von veganem Rührei ist im Vergleich zum Originalrezept – das mit einer einzigen Basiszutat auskommt – zeitaufwendiger und kostenintensiver.

Ich habe für mein pflanzliches Frühstücksrührei drei verschiedene Sorten Tofu verarbeitet, um dem Original nahe zu kommen:

  1. Naturtofu als Eigelb
  2. Seidentofu als Eiweiß
  3. Räuchertofu als Frühstücksspeck

Seiden- und Räuchertofu sind bei der Zubereitung kein Muss. Allerdings sorgt besonders der geräucherte Tofu für einen intensiven Geschmack. Wahrscheinlich wäre die Ei-Alternative ohne Alternativ-Speck ein wenig fad.

Geschmacklich hat mich das vegane Rührei überzeugt. Selbst meine siebenjährige Tochter – die sich normalerweise von Tofu fernhält – hat sich an meinem Nachschlag bedient. Allerdings wird pflanzliches Rührei – mit Hinblick auf Aufwand und Kosten – künftig nur zu besonderen Anlässen in meiner Pfanne schmoren.

Mettigel trifft auf Reiswaffel-Tomatenmark-Masse

Foto: Andrea Riezzo via unsplash

Was ist drin?

Bei der traditionellen Mettwurst handelt es sich um eine Rohwurstsorte aus Rind- und Schweinefleisch. Die Wurstmasse wird zerkleinert, mit Gewürzen abgeschmeckt und in einen Darm gefüllt. Im Anschluss wird die Mettwurst kalt geräuchert und reift eine Woche lang, ehe sie verzehrt werden kann.

Die Grundzutaten für vegane Mettwurst sind Reiswaffeln, Tomatenmark und Zwiebeln (ggf. Gurkensud). Die „Wurstmasse“ wird mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt und reift über Nacht im Kühlschrank. Am nächsten Morgen kann die frische Mettwurst zum Frühstücksbrötchen gereicht werden.

Wo gibt es das?

Ebenso wie Leberwurst findet man die traditionelle Mettwurst in jedem Supermarkt oder beim Metzger des Vertrauens. Selbst zubereiten kann sie nur, wer selbst das Metzgerhandwerk erlernt hat und über die notwendige Technik verfügt.

Vegane Mettwurst gibt es nicht als Convenience Food. Die Zubereitung der wenigen Zutaten ist jedoch denkbar schnell und einfach. Ich habe meine Reiswaffel-Tomatenmark-Mettwurst nach folgendem Rezept zubereitet: http://bit.ly/mettvurst

Was ist besser?

Als ich meinen Eltern – bei denen es seit Kindheitstagen sonntags Braten gibt – die vegane Mettwurst zum Probieren gegeben habe, waren sie positiv überrascht: Die Mischung aus Tomatenmark, Zwiebeln und Reiswaffeln sieht tatsächlich aus wie Rohwurstmasse! Auch vom Geschmack waren sie überzeugt.

Mit der Geschmacksintensität klassischer Mettwurst kann die vegane Variante aus meiner Sicht aber nicht mithalten.

Fett ist ein Geschmacksträger, der in klassischer Mettwurst reichlich enthalten ist. Die fettarme Reiswaffel-Tomatenmark-Mettwurst übertrifft das Original zwar unter Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte, jedoch nicht im Geschmack.

Mein Fazit

Beliebtes Comfort-Food zu veganisieren macht Spaß – und noch dazu ein gutes Gewissen! Am Anfang waren der Heißhunger auf Herzhaftes und die Überlegung, ob Verzicht auf Fleisch und Ei nicht auch ein Gewinn sein kann.

Auch wenn nicht alle veganen Lebensmittel dauerhaft Einzug in meinen Vorrats- und Kühlschrank finden werden, habe ich durch den Vergleich der Comfort-Food-Zwillinge vieles kennen- und manches lieben gelernt.

Vegane Leberwurst hat ab sofort einen festen Platz in meinem Kühlschrank, denn geschmacklich steht sie dem Original in nichts nach. Das gute Gewissen, das sich bei tierfreiem und fettreduziertem Kochen einstellt, gibt es gratis obendrauf.

Pflanzliches Rührei werde ich immer dann zubereiten, wenn ich Zweifler zu Besuch erwarte. Einfach, um zu zeigen, dass veganes Ei tatsächlich schmeckt. Außerdem sorgt die Zubereitung von veganen Lebensmitteln, die die Namen ihrer „tierischen“ Zwillinge tragen, AUSNAHMSLOS immer für Gesprächsstoff unter omnivoren Zweiflern. Einem langweiligen Besuch der wortkargen Großtante – warum hat die eigentlich immer so einen schlechten Ruf? –  kann mit dem Servieren von veganem Rührei in jedem Falle vorgebeugt werden.

Das gleiche gilt für die Reiswaffel-Tomatenmark-Mettwurst, die ich beim nächsten Mal einfach noch herzhafter würzen werde, um letztendlich auch mich von ihrem Geschmack überzeugen zu können. Als Beilage gibt es dann frisches Gemüse – und kein zerkochtes.

 

Folge mir auf Twitter: @moleratqueencom

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