Journal XX
Jane Goodall
Menschen

Dr. Jane Goodall – „Denke über die Entscheidungen nach, die Du jeden Tag triffst“

Valerie Jane Morris-Goodall ist eine bemerkenswerte Frau. Die heute 84-Jährige ist jährlich über 300 Tage auf Reisen, um aufmerksam zu machen, zu lehren, aufzufordern und ihre Geschichten zu teilen. Sie ist entschlossen mit uns die Welt zu verbessern.

Als sie am 3. April 1934 in London als ältere von zwei Schwestern geboren wird, ahnt niemand den Weg, den sie einschlagen wird. Sie ist zwar schon als Kind an Natur und Tieren interessiert und wünscht sich, nach Afrika zu reisen. Doch ihr Leben verläuft durchschnittlich. Nach ihrem Abschluss im Jahr 1952 nimmt sie Jobs als Sekretärin und Assistentin in London an. Bis eine Einladung ihr Leben für immer verändert. Sie spart, kündigt ihren Job und reist 1957 zu einer Freundin nach Kenia.

Ihr neues Leben beginnt mit einer Anstellung als Assistenz im Kenya National Museum (heute Nairobi National Museum), wo sie auf den Paläoanthropologen Louis Leakey trifft. Er ermutigt die unstudierte 26-Jährige Schimpansen im Dschungel zu beobachten und ihr Verhalten zu studieren.

Der erste Schritt zu einer neuen Sichtweise auf Mensch und Tier

1960 beginnt Jane Goodall das Verhalten der Schimpansen im Wildreservat von Gombe in Tansania zu erforschen. Unvoreingenommen und ohne wissenschaftliche Grundlagen beobachtet sie die Tiere zunächst durch ihr Fernglas. Dann macht sie die Entdeckung, die unsere Sichtweise auf den Menschen und die Wissenschaft für immer verändern wird.

Goodall beobachtet, wie ein Affe einen Grashalm als Werkzeug zur Nahrungsaufnahme benutzt. Diese Beobachtung ist der Durchbruch und der erste Schritt einer veränderten Sichtweise auf Mensch und Tier: Bisher galt die Nutzung von Werkzeugen als Alleinstellungsmerkmal für den Menschen. Die Britin stößt damit schnell auf Widerstand in den Reihen der Wissenschaft. Ihre unmethodische Herangehensweise der Beobachtung aus der Nähe und dass sie den Affen Namen anstatt Zahlen gibt, bringt Vorwürfe hervor, sie habe nicht objektiv arbeiten können. Auch ist sie als Forscherin ohne Studium und wissenschaftliche Expertise nicht anerkannt.

Doch ihr Unterstützer Leakey ist von den bahnbrechenden Beobachtungen überzeugt und gibt Goodall Rückendeckung. Er verschafft ihr einen Promotionsplatz an der renommierten Cambridge University. Goodall schreibt sich noch 1962 ein und schließt das Studium der Ethologie 1965 erfolgreich mit ihrem Doktortitel ab.

Ein Leben für die Schimpansen

Im Jahr 1962 lernt Goodall auch ihren ersten Mann, den niederländischen Tierfilmer und -fotografen Hugo van Lawick, kennen. Er hält sie im Urwald zwischen den Schimpansen bei ihren Forschungen auf Fotos und Film fest. Im März 1964 heiraten die beiden. Die folgenden Jahre widmet die Forscherin voll und ganz den Langzeituntersuchungen der Menschenaffen. Trotz der Geburt ihres Sohnes Hugo im Jahr 1967 lebt Goodall weiter unter den Affen um ihr Verhalten zu studieren.

Nach ihrer Scheidung von van Lawick im Jahr 1974 heiratet sie 1975 den tansanischen Parlamentsabgeordneten und Direktor des Nationalparks von Tansania Derek Bryceson. Mit ihm zusammen sichert sie den Bestand Gombes als Nationalpark. Der ist nicht nur Umgebung Goodalls Forschungen, er ist ihre Heimat.

Mit Leidenschaft treibt Goodall ihre Forschung voran, veröffentlicht Bücher und hält Vorträge als Gastprofessorin. 1977 gründet sie das Jane Goodall Institute for Wildlife Research, Education and Conservation. Sie lehrt und forscht dort zusammen mit Studenten, die sie liebevoll Dr. Jane nennen. Heute ist das Institut in über 20 Ländern vertreten und widmet sich einem umfassenden Natur- und Artenschutz, der Bildung in nachhaltiger Entwicklung sowie der globalen Entwicklungszusammenarbeit.

Dr. Jane ist entschlossen, die Welt zu verändern

Nach einer Konferenz zum ethischen Umgang mit Tieren im Jahr 1986 erkennt Goodall die Bedrohung für den Lebensraum der Schimpansen und anderer Arten. Sie entscheidet sich, die Nähe zu den Menschenaffen aufzugeben, um auf die Tiere und Umweltprobleme aufmerksam zu machen.

„Die Zukunft unseres Planten und der Menschheit liegt in unseren Händen.“

Heute ist Jane Goodall auf der ganzen Welt unterwegs. Sie möchte einen verantwortungsbewussten Umgang mit Mensch, Tier und Natur fördern und Konflikte zwischen Mensch und Umwelt beseitigen. Dabei erkennt sie den großen Zusammenhang: Sie versteht, dass dies erst möglich ist, wenn man Mensch und Natur als Einheit sieht, sich den Problemen der Menschen annimmt, um so eine Lösung für resultierende Umweltprobleme zu finden. Die sympathische Forscherin lehrt und erinnert eindringlich aber ohne Schuldzuweisungen. Sie möchte das Denken auf der Welt verändern und bewusstmachen, dass jeder noch so kleine Beitrag zählt. Jede Entscheidung, die wir treffen, was wir kaufen, essen oder tragen, ist von Bedeutung.

Die bescheidene UN-Friedensbotschafterin ist auch noch im hohen Alter entschlossen und engagiert und zieht ihre Kraft aus zwei wichtigen Dingen:

  1. Den Grundsatz, den sie bereits von ihrer Mutter lernte: Wenn du etwas wirklich willst, musst du dafür hart arbeiten, Gelegenheiten nutzen und niemals aufgeben.

  2. Die Menschen, die ihre Botschaft weitertragen.

So existieren mehr als 10.000 Gruppen in über 100 Ländern der 1991 gegründeten Aktion Roots & Shoots, in denen sich insbesondere Kinder und Jugendliche mit kleinen und größeren Umwelt- und Sozial-Projekten für eine bessere Welt engagieren.

Durch ihre Neugierde, ihr Vertrauen in die Tiere und ihre visionäre methodische Herangehensweise veränderte sie die Verhaltensforschung und legte den Grundstein für eine Kulturforschung an Primaten. Mit ihrem Engagement und ihrer unermüdlichen Glaubensfähigkeit daran, dass wir die Welt verbessern können, ist sie heute Inspiration und Vorbild.

Beitragsfoto: Jane Goodall 2010, Nick Stepowyj über flickr.com (CC BY 2.0)

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