Journal XX
Avocado
Ernährung & Gesundheit

Gesund, gesünder, Avocado?

Die Avocado ist zum Sinnbild für eine gesunde Ernährung geworden und aus der veganen Küche nicht wegzudenken. Doch sind die Früchte  -aus botanischer Sicht ist die Avocado nämlich eine Beere – wirklich so gesund wie ihr Ruf oder fallen wir alle auf ein marketingstrategisches Ammenmärchen rein? Und war da nicht auch noch was mit der Ökobilanz?

Avocado-Boom

Avocados haben sich in den letzten Jahren zu dem Superfood schlechthin entwickelt und es ist ein regelrechter Hype um die Frucht entstanden. Avocados sind urban, sind jung und vor allem hip. Der Hashtag Avocado erzielt über 7 Millionen Ergebnisse. Bilder von dem berühmt berüchtigten “Avo- Toast” überschwemmen sozialen Netzwerke. 2015 wurden 45.000 Tonnen Avocado nach Deutschland importiert.

Avocado Boom
Avocado-Boom

Avocado, die fette Vitaminbombe!

Die Avocado ist – neben der Olive – eine der fettreichsten Früchte und somit eine gute Quelle für gesunde Fette, den einfach ungesättigten Fettsäuren. Außerdem enthält die Avocado eine Vielzahl wichtiger Nährstoffe. Sie liefert Kalium und Vitamin E, Vitamin B2 und Vitamin B6. Avocados enthalten dreifach ungesättigte Linolsäuren. Diese Omega-3-Fettsäure gilt als gesundheitliches Multitalent und soll sich positiv auf die Gehirnfunktion und Immunabwehr auswirken und das Herzinfarktrisiko senken. Ach ja, und schlank machen soll die Avocado auch noch.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht hat die Frucht also durchaus etwas zu bieten. Man sollte jedoch im Hinterkopf behalten, dass Gemüse und Obst grundsätzlich einen Mix aus Nährstoffen und Vitaminen enthalten und es Gemüse und Früchtesorten gibt, die der Avocado in nichts nachstehen. Rote Beete kann beispielsweise prima mit der Avocado mithalten. Sie enthält Vitamin A, C, Magnesium und ebenfalls mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

Superfood Nr. 1

Woher rührt der Avocado-Boom, wenn es nicht die Nährwerte allein sind? Die Avocado und all die anderen sogenannten Superfoods, transportierten einen bestimmten Lifestyle, der einhergeht mit einer gesunden und bewussten Lebensweise. Superfood werden Wunderwirkungen zugesprochen und es hat zahlreiche Jünger. Aktuell gibt es allerings nur wenige klinische Studien, die diese positiven Wirkungen belegen.

Ökobilanz = Note 6

Doch so gesund die Avocados auch für den Menschen sind, so schlecht sind sie für die Umwelt. Was viele nicht wissen – oder erfolgreich verdrängen – weil es mit einer gesunden, bewussten und nachhaltigen Lebensweise nur schwer in Einklang zu bringen ist: Die Avocado hat eine sehr schlechte Ökoblianz und ist deshalb in letzter Zeit stark in die Kritik geraten.

Die Anbaugebiete der Avocado sind weit entfernt: Südafrika, Chile, Peru. Allein deshalb lässt sich ihr hoher ökologischer Fußabdruck nicht leugnen. Damit Avocados hierzulande mit dem auffordernden – „Iss mich, ich bin reif“ – Aufkleber versehen werden können, müssen sie in Reifekammern in diesen, für den Endkunden genüsslichen, Aggregatzustand gebracht werden. Denn wir wollen unsere Avocado cremig und weich und das sofort. Warten ist sowas von out! Dieser beschleunigte Reifeprozess frisst aber reichlich Strom.

Avocados sind nicht nur Stromfresser, sondern auch extrem durstige Zeitgenossen. Ein Kilogramm Avocado benötigt bis zur Ernte 1000 Liter Wasser. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Tomaten benötigt gerade einmal ca. 130 Liter.

Umweltbewusstsein als Statussymbol?

Avocado Lifetsyle
Gesundes Essen als Lifestyle

Wie kann man also auf der einen Seite ein gesundes Leben proklamieren und sich dann so rüpelhaft gegenüber der Umwelt verhalten? Die Autorin und Journalistin Elisabeth Raether bringt diese Doppelmoral gut auf den Punkt:

“Die Sorge um die Umwelt […] ist vor allem das Statussymbol bestimmter Milieus. Umweltschutz ist nicht mehr als eine Geste, eine Geschichte, die man sich erzählt und deren Wirklichkeitsgehalt man gar nicht mehr überprüft.”

Meint man es wirklich Ernst mit einer umweltschonenden und nachhaltigen Lebensweise, sollte man die Avocado vom täglichen Speiseplan streichen und durch regionale, mindestens genauso gesunde und schmackhafte Alternativen ersetzen. Vom Preis mal ganz abgesehen, aber das ist eine andere Geschichte.

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