Journal XX
Greyscaling
Soziale Medien

Greyscaling als neue Waffe gegen die Handysucht?

Digital Detox gefällig? Greyscaling – die Umstellung des Displays von Farbe auf Graustufen – soll die Nutzung des Smartphones unattraktiver zu machen. Großartige Idee oder nutzloser Blödsinn?

Alle 11 Minuten schauen wir auf unser Smartphone. Der reflexartige Griff zum Handy ist längst keine rationale Handlung mehr, sondern wir werden vom Glückshormon Dopamin getrieben.

Mit einem einfachen Trick soll man sich nun von der Diktatur seines Smartphones befreien können: Er nennt sich Greyscaling. Die simple Logik dahinter: Man soll durch die Umstellung des Displays auf Graustufen erreichen, dass das Display unattraktiver wird. Wenn man bedenkt, dass Firmen extra Farbschemata entwickeln lassen, die positive Emotionen erzeugen, klingt Greyscaling als probates Mittel für die digitale Abstinenz.

Doch das Problem der grassierenden Handysucht ist weitaus komplexer. Natürlich ist es unattraktiver sich Schwarz-Weiß-Fotos auf Instagram und Facebook anzuschauen. Aber die Triebfedern für den permanenten Blick aufs Handy, wie das sogenannte Fear of missing out (FOMO) – die Angst etwas Wichtiges zu verpassen – wiegen zu schwer. FOMO ist gerade für junge Menschen symptomatisch, denn der Wunsch nach Aufmerksamkeit  wird in der digitalen Welt scheinbar befriedigt. Zudem ist das Smartphone für uns (scheinbar) unersetzlich geworden, weil wir es zum universellen Alleskönner emporgehoben haben. Es ist Telefon, Kamera, Fotoalbum, To-Do-Liste, und vieles mehr. Darauf verzichten wir nur ungern – daher lässt sich die Omnipräsenz des Smartphones nicht einfach durch einen billigen Trick aushebeln.

Ein Alkoholiker wird auch zu Bier einer anderen, für ihn unattraktiveren Marke greifen, wenn das gewohnte Bier nicht verfügbar ist. Eine Sucht lässt sich nicht überlisten, weil ihr mehrere Faktoren zugrunde liegen. Die Änderung eines Farbschemas ist hier der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein.

Greyscaling mag vielleicht für ein paar Tage dafür sorgen, dass wir statt 100 nur 50 Mal auf unser Smartphone schauen. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und nach einer Woche haben wir uns an die “Old School Optik” gewöhnt.

Die Ursachen, weshalb wir heute abhängig von unseren Smartphones sind, sind zu komplex, als dass uns eine schwarz-weiß-Optik abschrecken würde.

 

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